Abschlussarbeiten im Museum zu sehen

exponate 2012Acht Absolventinnen der Staatlichen Fachschule für Keramik in Höhr-Grenzhausen zeigen derzeit ihre Abschlussarbeiten im Keramikmuseum. „Exponate 2012“ heißt die Ausstellung, bei der die Vielfalt der zeitgenössischen Keramik in freien und angewandten Bereichen präsentiert wird. In diesem Jahr haben erstmals alle Absolventinnen ihre Ausbildung in Teilzeit absolviert.

Klaus Lehnhäuser, Leiter der Fachschule für Keramikgestaltung und Keramiktechnik, zollte den Absolventinnen vor den rund 150 Gästen der Ausstellungseröffnung seine Hochachtung: „Ich kann nur sagen, Hut ab vor denen, die eine solche Ausbildung nicht am Stück, sondern ausgedehnt auf viele Jahre, parallel zum Betreiben einer eigenen Werkstatt, parallel zur Existenzsicherung im Beruf oder parallel zur Erziehung von Kindern durchlaufen haben“. Nach zwei Monaten in der Schule, seien die Schülerinnen wieder ein halbes Jahr im Betrieb oder bei der eigenen Familie gewesen, danach dann wieder für zwei Monate in der Schule. Dabei würden die Anforderungen, die die Schule stellt, nicht angepasst. Bis zu neun Jahren besuchten die Ausstellerinnen die Fachschule. Eine Ausbildung, die bei Vollzeitschülern nach drei Jahren abgeschlossen ist.

Die Abschlussarbeiten sind so vielfältig wie die Lebenswege der Absolventinnen. Bevor Schwester Catarina Kerstin Trostheide ins Kloster des Benediktinerordens eintrat, arbeitete sie als Zahnärztin. Ihr Thema: Die Weihnachtskrippe. Alles Äußere wurde auf das wesentliche reduziert. Als Krankenpflegerin arbeitete Annette Brauer. Sie stellte Stapeldosen aus Steinzeug her. Aus dem Kühlschrank auf den Tisch, und das mit Stil.

Elke Freiberg war als Wirtschaftsingenieurin tätig. Ihr Werk „Spiel Mahl“ versucht, das Spielen mit der Einnahme von Mahlzeiten zu kombinieren. Aus Paper-Porzellan geformte Spielhütchen und Schalen können mit kleinen Häppchen versehen werden. Gabi Schaly besitzt eine eigene Werkstatt im Saarland. Sie setzt sich mit „Paarbeziehungen“ auseinander. Ihre Zwei-Figuren-Objekte reduzierte sie immer weiter, bis letztlich sogar die Köpfe fehlen. Trotzdem werden die Emotionen deutlich ausgedrückt. Agnes Dürrschnabel Torres arbeitet seit 1987 als staatlich geprüfte Übersetzerin. Sie verbindet Keramik mit wertlos erscheinenden Fundstücken aus der Natur. Verena Marks hat ihre Gesellenprüfung als Keramikerin in Graz abgeschlossen. Sie präsentiert unter dem Titel „Zwischen Raum und Freiraum“ hüllenartig aufgebaute Formen mit vielschichtiger Malerei. In Köln arbeitete Kathrin Godding als Diplom-Sozialpädagogin. Ihr „Grünzeug“ ist Gebrauchsgeschirr aus Steinzeug in einer unglaublichen Vielfalt von Grüntönen.

Alle „Exponate 2012“ sind wirklich sehenswert und gestalterisch wie handwerklich außergewöhnlich. Zum 18. Mal wurde der mit 500 Euro dotierten Ströher-Preis vergeben. Patrick Schneider, Mitglied der Geschäftsleitung des Dillenburger Unternehmens, verlieh ihn an Jutta Hedwig Schöffl. Die „Frauenzimmer“ der ehemaligen medizinischen Fachangestellten hatten die Jury am meisten überzeugt. Es sind plastisch modellierte weibliche Figuren, von klein bis lebensgroß, die zu einem innerlichen Schmunzeln führen. Zu besichtigen sind die Abschlussarbeiten, die auch käuflich zu erwerben sind, noch bis Sonntag, 19. August, im Keramikmuseum in Höhr-Grenzhausen.

exponate 2012

Klaus Lehnhäuser (Mitte), Leiter der Fachschule für Keramikgestaltung, hat die acht diesjährigen Absolventinnen um sich versammelt. Patrick Schneider (links) verlieh den Ströher-Preis an die neben ihm stehende Jutta Hedwig Schöffl.

Westerwälder Zeitung vom Dienstag, 26. Juni 2012, Seite 20, Ulrich Mickley